"B+B Bauen im Bestand" über Abdichten und Instandsetzen von Bauteilsockeln

An dieser Stelle ist das Haus sensibel

Die Fachzeitschrift B+B - Bauen im Bestand berichtet in Ausgabe 4.2020. Autor: Stephan Keppeler.

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Der Gebäudesockel liegt in der Übergangszone zwischen erdberührten Außenwänden und der Fassade. Er ist durch aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich, Spritzwasser und Schlagregen besonders belastet. Lösungen, wie man ihn dennoch mit nachträglichen Maßnahmen schadensfrei halten kann, beschreibt das Ende 2019 veröffentlichten WTA-Merkblatt 4-9 "Nachträgliches Abdichten und Instandsetzen von Gebäude- und Bauteilsockeln" [1] jetzt ausführlicher als andere Regelwerke wie die DIN 18533 "Abdichten von erdberührten Bauteilen" [2].

Architektonisch wird immer häufiger gewünscht, dass der Übergang von der Geländeoberkante (GOK) zu dem darübergelegenen Fassadenbereich durchgängig gestaltel und somit nicht abgesetzt ist. Deshalb wird auf eine sichtbare Sockelausbildung verzichtet und im Sockelbereich das gleiche Putzsystem eingesetzt wie in der darüber gelegenen Fassade. Diese Putzsysteme haben jedoch in der Regel eine höhere Wasseraufnahme als speziell für den Sockelbereich konfektionierte Putzsysteme.

Wird dann noch auf einen regelgerechten Feuchteschutz des Fassadenputzsystems im Sockelbereich verzichtet, kommt es oberhalb der Geländeoberkante häufig zu feuchtebedingten Schäden, da Feuchtigkeit aus dem Erdreich über den unteren Abschluss des verputzten Sockelbereichs kapilar aufsteigt.

fachgerechter Feuchteschutz im Sockelbereich

Abb 2-4: Da hier jeweils ein fachgerechter Feuchteschutz im Sockelbereich fehlt, hat sich der Oberputz feuchtebedingt verfärbt.

Aber auch altersbedingte Schäden an Bauteilsockeln können eine nachträgliche Abdichtung bzw. Instandsetzung des Sockels erforderlich machen.

Abb. 5: Viele alte Sockel weisen auch witterungsbedingte Schäden auf, die sich unter anderem in Form von Putzabplatzungen zeigen.

Differenzieren muss man bei der Planung einer fachgerechten Sockelabdichtung generell zwischen der erdberührten Abdichtung im Sockelbereich, die üblicherweise bis ≥ 30 cm über Oberkante Gelände hinter der Sockelbekleidung hochgeführt wird, und einem Feuchteschutz auf der Sockeloberfläche, beginnend unter dem unteren Abschluss des erdberührten Sockelputzes bis ≥ 5 cm über OKG.

Grafik erdberührte Abdichtung

Abb. 6: Dieser Auszug aus der DIN 18533 stellt unter anderem die erdberührte Abdichtung bis ≥ 30 Zentimeter über OKG (2) dar und den Feuchteschutz auf der Sockeloberfläche (4).

Eine Ausnahme, um die genannte oberen Abschlusshöhe der Sockelabdichtung hinter der Sockelbekleidung zu verringern, wird im Abschnitte 8.8.2.1, im 1. Teil der DIN 18533 beschriebent: „Auf das Hochführen der Abdichtungsschicht über die Oberkante des Geländes kann verzich-tet werden, wenn im Sockelbereich ausreichend wasserabweisende Stoffe verwendet werden und die Abdichtungsschicht nicht hinterlaufen werden kann.“ [2]

Merkblatt stellt Sanierungs- und Abdichtungsverfahren für Sockel dar

Die Darstellung fachgerechter Sanierungs- bzw. Abdichtungsverfahren von Sockeln ist Gegenstand des Merkblattes 4-9 „Nachträgliches Abdichten und Instandsetzen von Gebäude- und Bauteilsockeln“, der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege 4.V. (WTA). Es wendet sich an Planer, Ausführende und überwachende Stellen: „Das Merkblatt befasst sich mit der Instandsetzung von Gebäude- und Bauteilsockeln. In Text und Zeichnungen werden Materialien sowie  Ausführungsformen für die Ausbildung von Fassadensockeln und Anschlussmöglichkeiten an Bestandsfassaden bzw. an Bauwerksabdichtungen und Außenanlagen beschrieben. Erläutert werden die Instandsetzungsziele und es wird darauf hingewiesen, welche Voruntersuchungen zur Ausarbeitung des Instandsetzungskonzeptes erforderlich werden können. Eingegangen wird auf die Beanspruchung, denen Gebäude- und Bauteilsockel ausgesetzt sind, und aufgezeigt, welche Möglichkeiten bestehen, diese für die gegebenen Beanspruchungen zu ertüchtigen. Im Anhang finden sich Checklisten, welche als Hilfestellung gedacht sind.“ [1]

Nachdem im Abschnitt 2 des Merkblattes Begriffe von „B wie Bauteilsockel“ bis „W wie Wasserbeanspruchung“ erläutert werden, befasst sich der Abschnitt 3 mit Instandsetzungsziel und Instandsetzungskonzept: „Ziel der Instandsetzung von Bauteilsockeln ist der dauerhafte Schutz tragender und nicht-tragender Bauteile gegenüber den erhöhten mechanischen, hygrischen, thermischen und chemischen Belastungen entlang des Bauteilsockels. Auch die Wiederherstellung des ursprünglichen (his-torischen) Erscheinungsbildes kann Instandsetzungsziel sein.“ [1]

Abschnitt 4 beinhaltet alle Vorgaben für die der Sockelinstandsetzung vorausgehenden Bauzu-stands¬analyse und Planung der Instandsetzung.
Beschrieben sind dort:
•    Sockelbeschaffenheit durch Inaugenscheinnahme
•    Sockelausführungsarten (unterschieden in Bestandsabdichtung und neuer Abdichtung, inkl. zeichnerischer Darstellungen) (Abb. 7-10)
•    Bauteilzustandsuntersuchungen
•    Bauwerks- und Laboruntersuchungen
•    Arten der Wassereinwirkungen
•    Planung der Instandsetzung

Prinzipskizzen nachträglicher Sockelabdichtung

Abb. 7 (links): Das WTA-Merkblatt enthält Prinzipienskizzen, die zum Beispiel Möglichkeiten der nachträglichen Sockelabdichtung mit verputzter Wärmedämmung veranschaulichen.
Abb. 8 (rechts): Bei dieser Lösung für einen Sockel aus Mauerwerk wird im Sockelbereich ein wasserabweisender Fugenmörtel eingesetzt.

Ausführungsvarianten für Sockelausbildungen

Abb. 9 (links): Das Merkblatt stellt verschiedene Ausführungsvarianten für Sockelausbildungen vor. Hier wird eine Sockelbekleidung mit Perimeterdämmung und Flachverblendung veranschaulicht.
Abb. 10 (rechts): So kann eine sichere Lösung mit einem wasserabweisenden Sockelputz aussehen. Sie wird hier für ein nicht unterkellertes Gebäude skizziert.

Im Abschnitt 5 wird dann die Sockelabdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen für die Abdichtungsstoffe beschrieben. Vier Produktgruppen kommen hierfür generell infrage:
•    Polymermodifizierte Bitumendickbeschichtungen (PMBC),
•    Flüssigkunststoffe (FLK),
•    Mineralische Dichtungsschlämmen (MDS) und
•    Flüssige Polymermodifizierte Dickbeschichtungen (FPD),

Tabelle 1 ergänzt, in welchen Mindesttrockenschichtdicken die jeweiligen Abdichtungsstoffe aufzutragen sind:

Anwendungsbereiche: erdberührte Wandflächen, Fußpunktabdichtung und Sockel
Lagenzahl / Arbeitsgänge: 2 Arbeitsgänge, Arbeitsgänge können frisch in frisch erfolgen

Nr.System der AbdichtungMindestrocken-SchichtdickeBemerkungen/ Anwendung
1PMBC3 mmFußpunktabdichtung nach Herstellerfreigabe
2FLK2 mmmit Einlage nach Herstellervorgabe
3MDS2 mm-
4FPD2 mm-

Tabelle 1: Sockel-Abdichtungssystem und Mindesttrockenschichtdicken

Nachfolgend sind dann die erforderlichen Maßnahmen zur Untergrundvorbereitung ausführlich beschrieben, da diese einen wesentlichen Bestandteil einer erfolgreichen Sockelinstandsetzung bzw. -abdichtung darstellen und der Verzicht auf diese Maßnahmen auch nicht durch den Einsatz hochwertiger Materialien kompensiert werden kann. Zu den erforderlichen Untergrundvorbereitungs-maßnahmen zählen insbesondere:
•    Untergrund von losen und haftungsmindernden Bestandteilen reinigen
•    Mineralisches Verschließen von Vertiefungen > 5 mm im Untergrund
•    Auftrag einer mineralischen Zwischenabdichtung aus einer nicht rissüberbrückenden (star-ren) mineralischen Dichtschlämme bei feuchtem Untergrund

Nicht nur eine Sockelausführungsvariante ist fachgerecht

Die möglichen fachgerechten Sockelausführungsvarianten werden im 6. Abschnitt des Merkblattes ausführlich erläutert (Abb. 7-9). Dabei werden die zugelassenen Werktrockenmörteln für Unter- und Oberputze und die notwendigen variantenspezifischen Untergrundvorbehandlungen konkret angegeben. Als weitere Form der Sockelabdichtung wird dann noch die Abdichtung mit einem wasserabwei-senden Sockelputz mit einer Mindest-Trockenschichtdicke von 15 mm beschrieben (Abb. 10).

Ergänzt wird das Merkblatt durch fünf Checklisten im Anhang zur Bauzustandsanalyse, zum Bauteilzustand, zur Probennahme, zur Laborbeauftragung und zum möglichem Sockelinstandsetzungskonzept.

Der Autors dieses Fachbeitrages ist Mitglied der WTA-Arbeitsgruppe 4-9, die das oben beschriebene Merkblatt erstellt ha. Nach seiner Auffasstung hat die Arbeitsgruppe in zehnjähriger Arbeit, u.a. aufgrund der paritätischen Besetzung des Arbeitskreises mit Vertretern aus dem Handwerk, der Industrie, der Wissenschaft sowie Vertretern aus dem Ausbildungsbereich und dem Sachverständigenwesen, ein Merkblatt erstellt, das Stand der Technik für das nachträgliche Abdichten und Instandsetzen von Gebäude- und Bauteilsockeln darstellt. Es steht nicht im Widerspruch zu bestehenden Normen und Regelwerken, die den gleichen Sachverhalt zum Teil weniger detailliert beschreiben.

Fehlerhafte Sockelausbildung erfolgreich korrigiert

Auch für den Eingangs dargestellten schadhaften Sockelbereich (Abb. 2-4), an dem weder ein Feuchteschutz noch eine Abdichtung bis über den unteren Abschluss des Putzes geführt worden ist, hat es ein gutes Ende gegeben. Die Polystrolplatten wurden nachträglich abgeschrägt und die Sockeloberfläche dann gemäß den WTA-Vorgaben abgedichtet (Abb. 11/12).

nachträgliche Sockelabdichtung

Abb. 11/12: Nach dem Abschrägen der Polystrolplatten konnte die Sockeloberfläche noch nachträglich gemäß der WTA-Vorgaben abgedichtet werden.

 

Literatur:

[1] WTA-Merkblatt 4-9-2019-12/D, Nachträgliches Abdichten und Instandsetzen von Gebäude und Bauteilsockeln

[2] DIN 18533-1:2017-07 Abdichten von erdberührten Bauteilen, Teile 1-3

Autor: Dipl.-Ing. Stephan Keppeler
geschäftsführender Gesellschafter des Bausachverständigenbüros B+K GmbH, von der IHK ö. b. u. v. Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, insbesondere Abdichtungen, Mitglied unter anderem in der WTA (Leiter der Arbeitsgruppe 4-6, Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile) und im Sachverständigenkreis des DHBV Köln